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© Uwe Gerber, Berlin

Teufelsgraben

Torff Stetten Grund - Torfstellen Grund - Torfstätten-Grund - Teufelsgraben - Teufelsschlucht - Torfgraben - Gendarmeriefenn - Landjägerfenn.

Die heutige Bezeichnung Straße “Am Postfenn” trifft eigentlich nicht so richtig zu. Bedauerlicherweise droht die Bezeichnung “Torfgraben” scheinbar auch in Vergessenheit zu geraten. So wie auch die “Russenbrücke”.
Nördlich des Torfgrabens befinden sich die Pichelsberge.
Südlich des Torfgrabens befindet sich ein Berg, welcher leider kein Namen hat. In den 30iger Jahren befand sich dort eine Skisprungschanze und Schmook (Grunewaldforstmeister) hat diesen Berg 1950 als “in den Hügeln bei Schildhorn” bezeichnet.
“Berg am Torfgraben” oder “Torfgrabenberg” wäre vielleicht ein passender örtlicher Name.

Berdrow, 1902, Seite 46/47
Eine Wanderbeschreibung; auf dem Weg von Pichelswerder zum Teufelssee:

“Wir sind unter lebhaftem Gespräch am nördlichen Rande des Teufelsgrabens entlang geschritten, aus dessen feuchtem Grunde sich hochstämmige Erlen erheben, während seine moosbewachsenen Böschungen üppig wuchernde Farne, Bärlapp, Gräser und Erdbeerbüschel tragen. Dicht vor dem Postfenn wird der Graben von der Russenbrücke überspannt, die ihren Namen seit der Franzosenzeit führen soll.....”

Karten

1816 Torfgraben Generalstabskarte 1835 Torfgraben Karte
1755 Torfgraben

Ansichten

1952 Landschulheim
19xx Schullandheim Am Postfenn

Wissenswertes

Am Südhang, oberhalb des ehemaligen Landschulheims ist zu erkennen, dass es zu früheren Zeiten zu Erdbewegungen gekommen sein muss, denn es befindet sich dort am Hang in langgezogener treppen- bzw. terrassenartiger Absatz im Hang. Fast so, wie eine riesengroße Stufe und wie man es von Bergbaumaßnahmen kennt. Von dem Fußweg unten am Hang, hinter dem ehemaligen Schulheim, und dem kleinen Fußweg oben am Hang, ist dieser Absatz durch den dichten Strauch- und Kiefernbewuchs allerdings nur schwer zu erkennen. Man muss den Hang schon abwärts hinunterklettern oder aber von den Wegen seitlich dort einscheren. Lange zeit habe ich mich gefragt, was die Ursache dafüür sein könnte. Zunächst hatte ich vermutet, dass dies mit der Anlage der ehemaligen Skisprungschanze zu tun hatte.

Hier ist jedoch die richtige Antwort:

Der Stößensee: Ein See wird geteilt:

Spaziergänge im Grunewald, 192(?), Seiten 134 - 137

“Ursprünglich bestand zwischen den Pichelsbergen und dem Pichelswerder, der im Laufe der Zeit zur Halbinsel verlandet ist, keine Verbindung.

1813 bauten die preußischen Truppen bei der Belagerung der Feste Spandau Schiffsbrücken von Pichelsdorf nach dem Werder und von hier nach den Pichelsbergen. Die meisten von uns werden sich noch der vom Rupenhorn nach dem Werder führenden “Sechserbrücke” entsinnen, die von dem Besitzer der Wirtschaft Rackwitz unterhalten wurde.

Mit dem Bau der Döberitzer Heerstraße, die den mit der Zeit fortschreitenden Verkehrsverhältnissen nach dem Westen Rechnung tragen sollte, wurde ein bequemer Übergang geschaffen. Die Vorarbeiten dazu reichen in die Jahre 1907/08 zurück. Die Festlegung des Heerstraßenzuges über den Stößensee stieß auf große Schwierigkeiten. Es wurden viele Baupläne erwogen, denn man wollte doch das Projekt zur Ausführung bringen, das möglichst geringe Schwierigkeiten und Kosten verursachte.

Aus diesem Grunde sollte anfänglich die Straße nördlich um den Stößensee geführt werden. Da stellten sich aber verschiedene Schwierigkeiten ein. Einmal wäre die Befestigung und Fundamentierung des Straßendamms in dem weiten Faulschlammgebiet sehr kostspielig geworden, und zum andern mußten die angrenzenden Grundstücke, die im Straßenzuge lagen und Bauland waren, teuer erworben werden. An den hohen Kosten scheiterte das Projekt.

Man griff darum zum ursprünglichen Plan zurück, den Pichelswerder als Brückenpfeiler zu verwenden, den See zu überbrücken und so die Straße quer über den See zu führen. Nach diesem Plan sollte der Straßenzug etwas südlicher über den See führen, als es heut der Fall ist. Wilhelm II. ordnete nach einer Besichtigung an, den Straßenzug etwas nach Norden zu verlegen, um das malerische Ufer des Stößensees nicht zu verletzen.

Um eine Brücke von so großen Ausmaßen herzustellen, mußte natürlich der Baugrund des Stößensees ganz genau abgebohrt und untersucht werden. Da stellte man dann fest, daß bei einem 3-4 m tiefen Wasserstande der Grund aus Faulschlammschichten bis zu 15 m Mächtigkeit bestand.

Welche Schwierigkeiten sich also auch an dieser Stelle durch die schlüpfrigen, weichen Schichten dem Bau entgegenstellten, ist leicht zu erkennen.

Man wollte anfänglich, um die Brücke auf festen Untergrund zu stellen, den Schlamm ausbaggern. Nach Kostenanschlägen hätte die Ausführung dieser Arbeiten und die Errichtung des Oberbaus auf Brückenpfeilern auf versetzten Senkkästen etwa 10 Millionen Mark gekostet.

 Auch diese Bauausführung scheiterte an den großen Kosten. Nun entschloß man sich, durch den See einen Damm aus Sand und Kies zu schütten und nur ein schmales Uferstück des Sees am Ostufer zu überbrücken.

Man ging dabei von der richtigen Annahme aus, daß die gestürzten Bodenmassen bei einem bestimmten Gewicht die Faulschlammschichten zur Seite drücken und sich dadurch von selbst eine feste Unterlage schaffen würden.

Nun begann am Stößsensee und in der Teufelsschlucht ein reges Leben und Treiben. - Feldbahnzüge rollten beladen von der Schlucht zum See, der die Sandmassen aufnahm und verschlang, die der Bagger von der Südwand der Teufelsschlucht abfraßen. - Am Ostufer des Sees begannen die Schüttungen. Im Laufe der Zeit wuchs der Damm immer weiter in den See hinein. - Interessant war es, das Absinken des Damms zu beobachten. Hatte er durch bedingte Ausmaße ein bestimmtes Gewicht und einen bestimmten Druck erreicht, dann sanken die Riesenmassen in die Tiefe, drückten die Faulschlammschichten zu beiden Seiten weg und hoben sie in die Höhe. Infolge ihrer Mächtigkeit kamen sie bald an die Wasseroberfläche und bildeten schlüpfrige, unbetretbare Inseln. - Die Seebecken zu beiden Seiten des Damms, besonders am Ostufer des Werders, waren bald mit Schlamm ausgefüllt.

Der Damm schuf sich so durch sein eigenes Gewicht das feste Fundament und wuchs in die Höhe. Über 1 Millionen cbm Boden sind aufgeschüttet worden.

Die Faulschlammassen, die den See erfüllten, mußten natürlich beseitigt werden. Durch Baggerbetrieb wurden sie gehoben, verladen und in der Teufelsschlucht, aus der man den Sand holte, abgetürzt. Diese Arbeiten waren recht umständlich und zeitraubend Später kam man dazu, den Schlamm mit Wasser zu einem fließenden Brei zu verrühren und durch Schlauchleitungen in das nördliche verlandete Gebiet des Sees zwischen dem Werder und der östlichen Uferstraße zu drücken. Es entstanden Schlammaufhöhungen, die hochwasserfrei sind. Heute ist dieses Gelände mit einer Laubenkolonie und Botshäusern besiedelt.

Kaum ahnt der Spaziergänger auf hohem Damme, daß das Gelände des Nordufers des Sees mit seinen Lauben und üppigen Gärten und den bunten Bootshäusern aus dem Boden besteht, der einst der Untergrund des Dammes war.

Bei dem Ausbaggern und Auspumpen des Schlammes kamen mancherlei kultur- und naturgeschichtliche Reste der Vorzeit zum Vorschein: Knochen von Elen, Hirsch, Renntier, vorgeschichtliche Topfreste, Kanonenkugeln und manches andere.

Der östliche Teil des Dammes mußte später wieder weggebaggert werden, um durch eine Flutrinne eine Verbindung zwischen den beiden neu entstandenen Seebecken herzustellen. Über diesem Verbindungsarm wurde von der Firma Holzmann die heutige Stößenseebrücke erbaut. Das interessante Bauwerk paßt sich in der Konstruktion und den Baustoffen in geschickter Weise der Umgebung an und ist ein Meisterwerk deutschen Ingenieurgeistes.

Die Widerlager der Brücke ruhen auf mächtigen Granitsockeln, diese wiederum auf Pfahlrosten. Die eisernen Brückenpfeiler sind mittels halbkugelförmiger Gelenke so aufgelegt, daß sie sich bei Temperaturschwankungen heben und senken können.

Der Oberbau und die flankierenden architektonisch schönen Treppentore bestehen aus Pyroxengranitporphyr von Beucha aus Leipzig......Beachtenswert sind auch die in die Seitenwände des Oberbaus an den Treppenaufgängen eingelassenen prachtvollen großen Geschiebe.

Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf Spandau mit seinem Schornsteinwald, der der Landschaft einen bestimmten Reiz gibt.

Nach Süden zu sehen wir über den Stößensee hinweg die Halbinsel Schildhorn und die Steilufer des Stößensees an der Uferstraße.

In der Straßenrichtung nach Pichelsdorf zu erscheint am Horizont der Wasserturm vom Lager Döberitz.”

1908 Pichelswerder Heerstrasse im Bau

Und dabei hatte der Pichelswerder und der Stößensee ja noch Glück im Unglück. Den andere Planentwürfe sahen laut Wikimedia wie folgt aus: Lösungen: Möglichkeit 1 und Möglichkeit 2, Möglichkeit 3 und Möglichkeit 4.


Google
WWWwww.forst-grunewald.de

Von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales,
wurden meine beiden rein ehrenamtlichen geführten Projekte
 „Lauftreff Berlin Grunewald“ und "Berliner Zahnärzte Forum“
am 13. Juni 2006 als zur Ausstellung des Berliner Freiwilligen Passes akkreditiert.

Berliner FreiwilligenPass Logo

  Revisionsstand Mai 2010            © Uwe Gerber, Berlin

1902 Torfgraben Gliederung Berdrow 1920 Torfgraben Holzverlag
1933 Torfgraben Reichsamt Torfgraben 1955 Ullstein
Torfgraben 1955 Amtlkarte

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