|
1929 - 1933
1 Million Waldbesucher an Karfreitag
“An einem Karfreitag - es lag Neuschnee bei mäßigen Froste - wimmelte es einmal besonders stark von Menschen. Ich weiß nicht woran es lag, wahre Menschenströme ergossen sich von früh bis spät in den Wald. An bevorzugten Stellen drängten sie sich knapp vorwärts, wie abends in der Leipziger und Friedrichstraße. So am Grunewaldsee, bei Paulsborn, an der Saubucht und bei Schildhorn.
Am nächsten Tage bat ich die Leitung der Verkehrsgesellschaft - Stadtbahn, Elektrische Bahn, Untergrundbahn, Autobusse, um gelegentliche Angaben der nach Grunewaldzielen verausgabten Fahrscheinzahlen.
Die erhielt ich freundlicherweise einige Wochen darauf: 815 000 Fahrgäste hatten sich an jenem Karfreitag mit der Stadtbahn, den elektrischen Bahnen, U-Bahn, Autobussen nach Eichkamp, Grunewald, Nikolassee, zum Kurmärkerplatz, Roseneck, Pichelswerder und den übrigen Endstationen für den Grunewald befördern lassen.
Rechnet ich nun noch die Insassen der unzähligen Privatautos und Karen, die Motorradfahrer, Pferdefuhrwerke, Reiter, Radfahrer, Fußgänger aus der Nachbarschaft hinzu, so kam eine volle Million Waldbesucher heraus.
So schlimm war es natürlich nur selten! Jedoch konnte man an besonderen Feiertagen mit Hunderttausenden, an Sonntagen mit Zehntausenden von Grunewaldbesuchern immer rechnen. Auch wochentags ergingen sich stets Zehntausende in ihrem lieben Stadtwalde.
Dementsprechend sah der nach solchen Masseninvasionen aus: Die Hänge zertrampelt, die Zäune demoliert, überall Jungwüchse und ältere Bäume beschädigt. Zweige abgeknickt, verwelkte Sträuße lagen umher, Bänke zertrümmert......
Und wahre Fluten von Papier, Scherben, Dosen, Unrat..... 7500 Mark hat mir in einem Jahre der Magistrat zur Verfügung gestellt, um mit Hilfe von Erwerbslosen diesen Abfall wieder zu beseitigen! Sie wurden restlos ausgegeben!
Dabei hingen allerorts Papierkörbe neben den Bänken an den Bäumen. Auch die wurden zerstört und, soweit sie aus Draht waren, in der Havel als Fischreusen von ganz Findigen mißbraucht!
Wir Forstleute waren immer froh, wenn so ein Festtag wieder ohne allzu große Schäden, besonders ohne Waldbrand - aber der blieb selten aus - vorübergegangen war.....
Und sicherlich das Wild auch......”
Schmook, 1950, Seite 100/101 Es war einmal im Grunewald, Jagdliche Erinnerungen und Plaudereien des letzten Grunewaldforstmeisters (Von 1929 - 1933 (?))
Hangbefestigungen
“Ich war damals mit den Vorbereitungen zu jenen gewaltigen Hangbefestigungsarbeiten auf Pichelswerder und an den Havelhängen, sowie an den Grunewaldseen beschäftigt, die mich später noch jahrelang in Anspruch nahmen. Galt es doch, Tausende von Erwerbslosen, hauptsächlich aus Spandau, mit nutzbringender Arbeit zu beschäftigen. Die Vorbesichtigungen und Besprechungen an Ort und Stelle erforderten eine ganze Menge Zeit, zumal ich ja alle Wege zu Fuß oder mit meinem Dienst-Tretmobil zurücklegen mußte.”
Schmook, 1950, Seite 170 Es war einmal im Grunewald, Jagdliche Erinnerungen und Plaudereien des letzten Grunewaldforstmeisters (Von 1929 - 1933 (?) )
Holzabfuhrstraße und Restaurationskahn am Großen Fenster
“Für mich war die zeit zur Heimkehr zu knapp. Aber in der Zwischenzeit konnte ich noch andere Dienstangelegenheiten in der Nähe erledigen. Eine unvorhergesehene Revision in einer meiner Baubuden an den Havelhängen konnte nichts schaden. Ich hatte da von der Hauptabteilung eine kleinere abgezweigt, die unter Aufsicht eines Forstgehilfen einen kleinen Berg zu verlegen hatte, der mir bei meinen Wegebauplänen hinderlich war. Denn es fehlte eine gute Holzabfuhrstraße zwischen Saubucht und Großem Fenster, deren Bau ich nun mit den Erwerbslosen begonnen hatte.
Hinweis: Es handelt sich vermutlich um den “Schwarzen Weg” Kartenausschnitt siehe bitte unter Havelberg .
Als ich zur Havel hinabschritt, schwankten über den Landungssteg des dicht am Ufer liegenden Restaurationskahnes unter gröhlendem Gesange drei Gestalten, zwei Männer und eine Frau. Einen Augenblick blieb ich stehen, denn ich fürchtete, möglicherweise helfend einspringen zu müssen, wenn die drei sichtlich stark verunnüchterten Menschen vom schmalen Stege ins Havelwasser oder in den Schilfmorast fallen sollten.
Es ging aber gut. Mit der Behauptung: “So leben wir alle Tage...” wackelten die merkwürdigen Zeitgenossen dem Walde zu. Die Revision auf meiner Baubude war kurz und verlief in voller Ordnung, der junge Forstmann war auf dem Posten! Langsam bummelte ich also wieder waldwärts bergauf, um mich allmählich beim Fuchsbau einzufinden.”
Schmook, 1950, Seite 210 Es war einmal im Grunewald, Jagdliche Erinnerungen und Plaudereien des letzten Grunewaldforstmeisters (Von 1929 - 1933 (?) )
|